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Brandwundenverbände · Ratgeber

Erste Hilfe im Auto – was das Gesetz verlangt und was wirklich hilft

Geschrieben von der Milistuff-Redaktion – Anästhesisten und Reanimationsausbilder. Dieser Text ist keine Rechtsberatung; prüfe immer, was für deinen Betrieb und für das Land gilt, in dem du fährst.

Oft bist du als Erster vor Ort. Das gilt für alle, die Streife fahren, die zum Revier und zurück fahren oder die jeden Tag über Landstraßen pendeln. Die Frage ist also nicht, ob du im Auto Erste Hilfe leisten musst, sondern womit du arbeiten kannst, wenn es passiert.

Was das Gesetz in Deutschland verlangt

Erste-Hilfe-Material ist Pflicht. Nach § 35h Absatz 3 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) müssen Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 6 km/h Erste-Hilfe-Material mitführen, das nach Art, Menge und Beschaffenheit mindestens der DIN 13164 (Ausgabe Januar 1998 oder Januar 2014) entspricht. Ausgenommen sind unter anderem Krankenfahrstühle, Krafträder sowie Zug- und Arbeitsmaschinen in land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben.

Das Material muss in einem Behältnis verpackt sein, das den Inhalt ausreichend vor Staub, Feuchtigkeit sowie Kraft- und Schmierstoffen schützt. Anderes Erste-Hilfe-Material ist zulässig, wenn es bei gleicher Art, Menge und Beschaffenheit mindestens denselben Zweck erfüllt (§ 35h Absatz 4). Für Kraftomnibusse gelten eigene Regeln: ein Verbandkasten bei bis zu 22 Fahrgastplätzen, sonst zwei (§ 35h Absatz 1).

Der Verbandkasten nach DIN 13164 ist die gesetzliche Grundausstattung. Ein Tourniquet gehört nicht zu seinem Inhalt – dazu mehr unten.

Wenn das Auto ein Arbeitsplatz ist

Ist das Auto ein Arbeitsmittel – ein Streifenwagen, ein Servicefahrzeug, ein Fahrzeug der Feuerwehr, des Rettungsdienstes oder des Sicherheitsgewerbes –, gilt zusätzlich der Arbeitsschutz. Nach § 10 Absatz 1 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) muss der Arbeitgeber entsprechend der Art der Arbeitsstätte und der Tätigkeiten sowie der Zahl der Beschäftigten die Maßnahmen treffen, die zur Ersten Hilfe erforderlich sind. Nach § 10 Absatz 2 benennt er Beschäftigte, die Aufgaben der Ersten Hilfe übernehmen; ihre Zahl, Ausbildung und Ausrüstung müssen in einem angemessenen Verhältnis zu den bestehenden besonderen Gefahren stehen.

Eine Packliste für Fahrzeuge enthält das Gesetz nicht. Was über den Verbandkasten hinaus mitgeführt wird, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung (§ 5 ArbSchG). Wer nachts allein im Objektschutz unterwegs ist, hat andere Risiken als ein Außendienstmitarbeiter in der Innenstadt, und die Ausrüstung im Fahrzeug sollte das widerspiegeln.

Wenn du ins Ausland fährst

Andere Länder haben eigene Regeln, und sie unterscheiden sich deutlich. In Schweden, Dänemark und Finnland besteht zum Beispiel für private Pkw keine Pflicht, Erste-Hilfe-Material mitzuführen. Prüfe vor der Reise bei den Behörden des Ziellandes oder einem Automobilclub, was dort gilt. Mit dem Verbandkasten im Auto bist du auf der sicheren Seite.

Was wirklich ins Auto gehört

Im Auto kannst du mehr mitnehmen, als du am Körper trägst. Teile die Ausrüstung in zwei Bereiche: einen für Alltagsverletzungen und einen für lebensbedrohliche Verletzungen.

Alltagsverletzungen – der Verbandkasten

  • Sterile Wundauflagen und Kompressen in einigen Größen, zum Beispiel Schnellverbände für kleinere Wunden. Weitere findest du unter Verbandmaterial.
  • Schutzausrüstung: Einweghandschuhe und eine Beatmungshilfe für die Atemspende bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung, zum Beispiel das Cederroth-Schutzpaket mit Maske, Handschuhen und Wundreinigung.
  • Verbrennungsverband. Bei einer Verbrennung ist Wasser die erste Wahl zum Kühlen. Ein Verbrennungsverband mit Gel ergänzt, wenn kein Wasser verfügbar ist, oder schützt die Verletzung danach. Weitere Optionen findest du unter Verbrennungsverbände.

Lebensbedrohliche Verletzungen – was oft fehlt

Ein Verbandkasten nach DIN 13164 enthält kein Tourniquet. Was bei einem Verkehrsunfall oder einem Jagdunfall Leben rettet, sind Blutungskontrolle und Wärmeerhalt:

  • Tourniquet. Ein oranges CAT Gen 7 ist im Kofferraum schnell zu finden. Lies unseren Tourniquet-Ratgeber, bevor du ein Modell wählst.
  • Druckverband, der den Druck hält, wenn du die Hände für anderes brauchst, zum Beispiel ein Druckverband oder Control Wrap 6".
  • Wärme. Ein Verletzter, der still auf Asphalt oder im Straßengraben liegt, kühlt schnell aus, auch an einem Sommerabend. Pack eine Rettungsdecke ein, oder eine aktiv wärmende Decke, wenn du viel in dünn besiedelten Gegenden unterwegs bist. Weitere findest du unter Hypothermie. Isoliere auch gegen den Boden.

Trägst du im Dienst bereits ein persönliches Set, lies unseren Ratgeber dazu, was in ein Erste-Hilfe-Set gehört. Die Ausrüstung im Auto ist eine Ergänzung, kein Ersatz.

Aufbewahrung im Auto

  • Erreichbar, nicht vergraben. Der Verbandkasten muss sich herausnehmen lassen, ohne den Kofferraum auszuräumen. Die Blutungskontrolle sollte vom Fahrersitz aus erreichbar sein.
  • Gesichert. Lose Ausrüstung wird bei einem Aufprall zum Geschoss.
  • Temperatur. Im Auto kann es wärmer und kälter werden als der vom Hersteller angegebene Lagerbereich. Lies die Lagerhinweise auf der Verpackung und ersetze Produkte, die außerhalb davon gelagert wurden.
  • Kontrolle. Prüfe den Inhalt regelmäßig: Verfallsdaten, unbeschädigte Verpackungen und ob Verbrauchtes ersetzt wurde.

Quellen

Häufige Fragen zur Ersten Hilfe im Auto

Ist ein Verbandkasten im Auto Pflicht? Ja. Nach StVZO § 35h müssen Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit über 6 km/h Erste-Hilfe-Material nach DIN 13164 mitführen. Ausgenommen sind unter anderem Krafträder und Krankenfahrstühle.

Welcher Verbandkasten erfüllt die Pflicht? Das Material muss mindestens der DIN 13164 entsprechen; § 35h nennt die Ausgaben Januar 1998 und Januar 2014. Es muss in einem Behältnis liegen, das vor Staub, Feuchtigkeit sowie Kraft- und Schmierstoffen schützt.

Gilt im Dienstwagen mehr? Wird das Auto für die Arbeit genutzt, gilt zusätzlich das Arbeitsschutzgesetz. Der Arbeitgeber muss nach § 10 ArbSchG die erforderlichen Maßnahmen zur Ersten Hilfe treffen. Was konkret ins Fahrzeug gehört, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung.

Was fehlt in einem Verbandkasten am häufigsten? Blutungskontrolle für lebensbedrohliche Verletzungen. Ein Verbandkasten nach DIN 13164 enthält kein Tourniquet. Ergänze ein Tourniquet, einen Druckverband und eine Rettungsdecke.

Verträgt Verbandmaterial das ganze Jahr im Auto? Das hängt vom Produkt ab. Im Auto kann es wärmer und kälter werden als der vom Hersteller angegebene Lagerbereich. Lies die Lagerhinweise und ersetze, was außerhalb dieses Bereichs gelagert wurde oder das Verfallsdatum überschritten hat.

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